Freitag, 21. Dezember 2012

21.12.2012 - Die wahre Geschichte des Aufstieges (Teil 1)

Wir schreiben das Jahr 2012 nach Lord Sanandas Reinkarnation. Es ist das Jahr des aufgebundenen Bären, das Jahr in dem der Maya Kalender umgeblättert werden muss und es ist fast vorbei. Das im doppelten Sinne, denn sowohl das Jahr neigt sich dem Ende als auch die gesamte Welt. Es ist der 21.12.2012. Es ist der Tag des Untergangs beziehungsweise des Aufstiegs und es ist 6.30 Uhr in der Früh.

“Mann, Mann, Mann. Das ist eine Arschkälte. Wenn ich schon Schnee sehe. Ich hasse Schnee. Ist was für dumme Bauern. 40 Grad plus, das sind meine Temperaturen. 100% Luftfeuchtigkeit. Bei unter 20 Grad rührt sich gar nichts bei mir. Da friert alles ein. Das ist Frost für mich. Alles Kacke.” Meckernd steht ein hagerer alter Mann vor einem großen Tor einer alten Gewerbehalle irgendwo am Rande der Reichshauptstadt. Er trägt eine alte, früher wohl mal weiß gewesene, Robe mit einem roten etwas stümperhaft aufgemalten Kreuz. Seinen Kopf ziert ein aus Alufolie und Pappe gebastelter Helm, der wohl dem eines Ritters ähneln soll. Schon seit Wochen plant er mit seiner Reichsflugscheibe der A(xel)S(eine)S(cheibe)1933 den Aufstieg in die eigenen Hände zu nehmen um die 5. Dimension zusammen mit seinen beiden Kameraden zu erreichen.


“Puusst. Pffff. Hechel. Ha Hallo Axel. Ufff. Keuch”, ein etwas außer Atem geratener fülliger Mann kommt langsam und hörbar keuchend um die Ecke. Er zieht einen großen braunen Koffer hinter sich her und ist behangen mit mehreren Stoffbeuteln. 

“Pfff. Keuch. Oh Mann, Axel... hast gar nicht gesagt, dass wir uns verkleiden sollen.” 
“Das ist Ordenskleidung, Peter. Darfst DU gar nicht tragen. Nur Mitglieder des Templerordens ist dies gestattet.” 
“Achso, Orden. Sah auf den ersten Blick eher wie eine DRK Krankenschwester mit Aluhut aus” Ein böser Blick traf Peter, doch der registrierte dies gar nicht und sprach keuchend weiter.
“Ist eigentlich der Mario schon da?” 
“Ja klar. Er hat seinen Platz schon eingenommen.”
“Ach ja, wo denn?” 
“Oben auf der Flugscheibe. Festgezurrt. Da kann er wenigstens keinen Schaden anrichten.” 
Peter stellte sich auf Zehenspitzen und versucht über die Flugscheibe zu schauen. 
“Hallo Mario. Gehts gut?”
“Hmmpf. Mmmm. Hmmm. Mmmmpf.” 
“Warum hast du ihm denn den Mund zugebunden?”, fragte Peter sich wieder Axel zuwendend. 
“Ach, der war nur am Jammern.” erwiderte der abfällig. 
“Naja, wenn du ihn auch da oben festbindest.” Axel schüttelte mit dem Kopf. 
“Ach, darum ging es ja gar nicht. Schimpfte auf das Fernsehen, das ihm wohl seine Frau versaut hat. Was hat er auch so etwas in seiner Wohnung.” 
“Ja aber einen Fernseher hat doch fast jeder.”
“Davon rede ich doch gar nicht. Ich meinte Frauen.” 
Peter schaute etwas verwundert und fragte: “Aber bei euch im Hei..Orden, habt ihr doch auch Frauen, oder?” 
“Natürlich haben wir da Frauen, aber die bringen uns nur früh und abends unsere Medikamente und passen auf, dass wir ordentlich essen.  Apropros Frauen. Peter, warum hast du eigentlich soviel Gepäck dabei?” 
Axels Blick glitt über den Koffer zu dem Haufen mit Stoffbeuteln. 
“Das sind sämtliche Ausgaben des NEXUS Magazins. Die konnte ich nicht zurücklassen.”  
“Die bleiben hier. Viel zu viel Gewicht. Mario durfte seine 10000 Flyer auch nicht mitnehmen.” Unter Protest entledigte sich Peter seiner Stoffbeutel und bestieg mit Axel die Flugscheibe. 
“Ach schau an. Warum darfst Du denn all deine Bücher mitnehmen, Axel?” 
Die Flugscheibe war bis unter’s Dach mit den gesammelten Werken des promovierten  Naturwissenschaftlers gefüllt.
“Das sind alle meine selbst geschriebenen Bücher, bis heute unterdrückt - all das Wissen um die wahre Physik. Die sind alle vergriffen, bekommst du gar nicht mehr. In kürzester Zeit ausverkauft.”
“Ja, jetzt wissen wir auch endlich von wem.” 
“Silentium. Jetzt setzt dich hin. Wir haben noch einen weiten Weg.”    

Die Scheibe hob mit leisen Surren ab und verschwand im morgendlich roten Himmel. 

“Als erstes fliegen wir zur Bank und holen meine Goldvorräte. Die werde ich sicher noch brauchen.” Axel, das Steuer fest in der Hand, richtete seinen Blick gerade aus und wirkte hochkonzentriert. 
“Bei welcher Bank hast du das denn gebunkert?” 
“Ha....bei der sichersten Bank überhaupt, der Bank des Universums.”

Die “Bank des Universums” befindet sich im Zentrum der Milchstraße gleich neben dem großen schwarzen Loch und gilt als die sicherste, aber auch die am schwierigsten anzufliegende Bank der Galaxie. So kommt es nicht selten vor, dass beispielsweise Manager Freier Energie Unternehmen beim Einparken dem großen schwarzen Allesfresser zu nahe kommen und somit von diesem mit samt dem Geld der Investoren auf Nimmerwiedersehen verschlungen werden. So manche Verschwörungstheorie wurde aufgrund dieser kleinen aber folgenschweren Missgeschicke gesponnen.  Makaber, während sie ihr ganzes Leben lang die Naturgesetze erfolgreich ignoriert haben, wurde ihr Leben durch die schwächste aller Naturkräfte, die Gravitation, beendet.

Axel aber hatte mit dem Einparken kein Problem. Er landete seine Flugscheibe, völlig unbeindruckt von den Parkverbotsschildern, genau vor dem Eingang der Bank. Zusammen mit Peter stieg er aus und begab sich in Richtung Tür. 

“Hmmpff. Hmmmpff.” 
“Du Axel, vielleicht sollten wir den Mario mal losbinden. Der muss sicher mal pullern.” 
Peter zog seine Stirn in Falten. “Hätte er doch unterwegs erledigen können. Fällt in den endlosen Weiten des All sicher niemanden auf. Mach ich im Schwimmbad auch so und fällt da auch niemanden auf.” 
“Ok, wir gehen nie wieder zusammen schwimmen. Mal abgesehen davon weißt du doch auch, dass er seinen Morgenurin immer...”
“Na gut. Binde ihn los.” 
Gesagt, getan und eh man es sich versah, stand Mario quitschvergnügt mit den beiden anderen in der großen Eingangshalle der Bank vor einer endlos scheinenden Schlange am einzig offenen Schalter. 
“Was nur ein Bankschalter hat geöffnet?” 
Axel verzog sein Gesicht und stöhnte. Es ging nicht vorwärts und Ursache dieses Stockens war ganz vorn am Anfang ein Steven Seagal Verschnitt, der seine frisch gefetteten Haare zum Pferdeschwanz nach hinten gebunden hatte. 
“Hören Sie junge Frau. Vielleicht wissen Sie ja nicht, wer ich bin. Ich bin der Oberste Souverän des Königreiches Neudeutschland und ich will hier ein neues Konto haben!!!!” 
“Konten von Königreichen können nur Könige eröffnen.” 
Die Frau am Schalter wirkte schon etwas genervt. Kein Wunder, musste Sie sich doch bereits einen stundenlangen Vortrag über Vereine im Völkerrecht anhören bis sie überhaupt erstmal erfahren hat, was dieser Mann von ihr wollte. 
“Ja ich bin doch der König.” 
“Gerade haben Sie gesagt, sie wären der Oberste Souverän.” 
“In der Verfassung des Königreiches, welche ich höchstpersönlich in einer Nacht geschrieben habe, steht, dass der Oberste Souverän viel mehr darf als der König. Und was meinen Sie denn, wer irgendwann mal König wird.” 
Mit siegesbewussten Lächeln tippte er sich mehrmals mit dem Zeigefinger auf die Brust, was die Bankangestellte aber nicht sonderlich beeindruckte. Sie meinte nur lapidar: “Ja schön für sie, aber noch sind sie kein König und Konten von Königreichen können laut Haager Landbankordnung nur Könige eröffnen. Und nun treten sie bitte vom Schalter zurück.” 
Das war zu viel. Er stellte sich mit rausgestreckter Brust vor den Schalter, hob die Hand etwas in die Höhe und sagte mit ernster Stimme: “Junge Frau, im Namen des Königreiches verhafte ich sie hiermit wegen politischer Behinderung einer Kontoeröffnung. Sie sind nicht berechtigt Widerstand zu leisten, ich bin jedoch nach dem Gesetz berechtigt auch Zwang auszuüben. Folgen Sie mir unauffällig.” 
Schwungvoll drehte er sein Gesicht zur Seite, so dass sein Schwanz von links nach rechts fiel und stolzierte mit gehobenen Haupt und unnatürlich geraden Rücken davon. Wohl in der Meinung die Frau folge ihm unterwürfig, blickte er nicht einmal zurück. Hätte er es getan, dann würde er sehen, dass diese, völlig desinteressiert an seinem gockelhaften Auftritt beziehungsweise Abtritt, bereits den nächsten Kunden bediente.  

Nach einer gefühlten halben Ewigkeit war endlich Axel an der Reihe. Er trat vor den Schalter, lächelte freundlich und sagte: “Ich würde gern mein Gold abholen.” 

“Name, Passwort” 
“Stoll, Axel Stoll, promovierter Naturwissenschaftler! Junge Frau, mich wundert, dass sie mich nicht kennen. Die Jungen Leute heutzutage, wissen gar nichts mehr, kommen mit zehn Vokabeln aus. Dämlich, einfach nur dämlich.” 
Axel ist außer sich und entrüstet darüber, dass die Dame ihn anscheinend nicht kennt. 
“Wollen sie nun ihr Gold oder wollen sie mich beleidigen. Also ihr Passwort.” 
Sie war an dem heutigen Tag schon einiges gewohnt und bereits vielen merkwürdigen Gestalten begegnet. Schließlich ist Weltuntergang und sämtliche Esoteriker der Galaxie sind gekommen und wollen ihr angespartes Gold abholen um damit das Ende der Welt zu überleben. Wie auch immer. 
“Verraten Sie mir nun ihr Passwort. Herr promovierter Naturwissenschaftler.” 
Mit hörbaren Groll über die ihm entgegengebrachte Respektlosigkeit, krummelte Axel leise: “Warsteiner” 
In diesem Moment materialisierte eine metallene Kiste, welche sofort geöffnet wurde. Axel, Peter und Mario blickten neugierig rein. 
“Was ist denn das. Da ist ja nur Blei drin.”, sagte Axel plötzlich und Peter erwiderte “Da ist wohl bei der Umwandlung was schief gelaufen.” 
Die Frau zuckte nur mit den Schultern und meinte:  “In Gold verwandeltes Blei ist äußerst instabil und verwandelt sich in wenigen Jahren unter Einfluss der Synchronisationsstrahlung wieder zurück. Wussten sie das denn nicht. Wir sind ihr im Zentrum der Milchstraße, also praktisch an der Quelle des Synchronisationsstrahles. Da wird das keine 2 Monate gedauert haben.”  
Alle drei schauten ihr mit leicht naivwirkenden Blick ins Gesicht und Axel murmelte nur noch “Scheiß Broers.” und ging ohne ein weiteres Wort in Richtung Ausgang. Peter und Mario folgten ihm.

Doch was war das? An der Heckscheibe unterm Scheibenwischer prangte ganz groß ein Knöllchen wegen Falschparkens. Wutentbrannt zerknüllte Axel dieses und warf es weg. Mario aber hob es wieder auf und voller Enthusiasmus hielt er eine Ansprache 

“Kannst Du ruhig mir geben. Ich kümmer mich darum. Die haben keinerlei rechtliche Grundlage für sowas. Ich kläre das schon und mache denen klar das dies unter Privatrecht fällt und sie für alles haftbar gemacht werden... das ist Willensbruch...mindestens.” 
Noch während er so vor sich hin palaverte, wurde er von Axel auf die Fluscheibe gehoben und weiter ging es. In dem ganzen Ärger wurde glatt vergessen, den Mario außen festzuschnallen, so dass dieser beim Start fast runtergefallen wäre und sich während des gesamten Fluges krampfhaft an die Flugscheibe klammerte um nicht davon geschleudert zu werden. Seine lautes, einer Sirene ähnelndes Gekreische, hatte dabei den Vorteil, dass es für eine freie Fahrt bzw. einen freien Flug sorgte, da sämtliche andere Flugscheiben rechts ranflogen und die ASS1933 somit ungehindert Richtung 5. Dimension fliegen konnte.

“Da vorn ist sie. Die 5. Dimension. Obwohl es ja nur 3 Dimensionen gibt. Alles andere ist Blödsinn. BLÖDSINN. Wir sprechen da eher von Feldern. Das gravimetrische Feld oder das magnetische Feld zum Beispiel. Na wer hats gewusst. Wieder keiner, oder? War ja klar. Genial diese Bariumgrün leuchtenden Chemtrails als Markierung. Da kann man sich gar nicht mehr verfliegen.” Axel sieht erleichtert aus. In seinem Alter sind intergalaktischen Flüge keine Vergnügungsreisen mehr, sondern Anstrengung pur. 

“Ja genau und wenn man bedenkt, dass dieser Goldlöckchentyp Dominik irgendwas, von dem der Mario tausende Flyer gekauft hat, das fast sabotiert hätte. Schau mal Axel, da ist der Eingang. Da ist ja ganz schön was los. Sind DAS viele Menschen.”

Durch das Tor zur 5. Dimension müssen alle und dabei die allgemeine Personenkontrolle über sich ergehen lassen. Jeder der die neue Welt betreten will, hat sich dieser Prozedur zu unterziehen, in der unter anderen die Vollständigkeit der von der Stellaren Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen geprüft und das Gepäck auf verbotene Gegenstände untersucht wird. Es hat sich inzwischen eine beachtliche Schlange gebildet, obwohl die galaktischen Zollbeamten mit ihren 14 Armen gerade bei der Körperabtastung eine enorme Geschwindigkeit hinlegen. Da aber alles seine Ordnung haben muss, werden bei Einreise die Namen der Ankömmlinge mit der allwissenden Akasha Chronik abgeglichen. Das geht normalerweise recht zügig, da diese bereits komplett digitalisiert wurde. Doch leider gibt es immer wieder Verzögerungen wenn Walldorfschüler mit wenig Tanztalent ihren Namen nennen müssen.

Axel steuerte die Scheibe etwas näher und sah sich die Massen an. 

“So ein Mist. Das dauert ja Stunden eh wir da reinkommen und die Scheibe muss ich auch noch irgendwo abstellen. Ich lass euch am Besten hier aussteigen und ihr stellt euch schon mal an. Ich parke unterdessen.” 
Etwas abseits landete er und Peter stieg aus. 
“Los Mario komm runter. Wir sollen uns schon mal anstellen.” 
“Ich kann nicht. Hab nen Krampf in den Händen.” 
Peter kletterte auf die Scheibe, schnappte sich die Füße von Mario, zerrte kräftig daran und beide vielen mit lautem Rums zu Boden.
“Aua. Peter geh runter von mir. Ich bekomm keine Luft mehr.”

Die ASS1933 hob derweil wieder ab und verschwand. Peter und Mario, die sich inzwischen wieder aufgrappelt hatten, sahen ihr nach. Nach einem kurzen Check, ob auch alles noch dran ist, stellten sie sich in die schier endlos scheinende Reihe. Nach ca. eine halben Stunde gesellte sich auch Axel zu Ihnen. 

“Und? Hast einen Parkplatz bekommen” 
“Natürlich. Die wissen hier zum Glück wer ich bin und haben mir einen bereits reserviert.” 
Plötzlich ertönte eine Ansage: “Krrrr. DingDongDung. Der Flugscheibenpilot der Flugscheibe mit dem amtlichen Kennzeichen ASS1933 wird gebeten sein Fluggerät sofort wegzufliegen. Sie befinden sich auf einen reservierten Stellplatz...”
“Axel. Da bist du gemeint. Wo hast du denn geparkt” 
“Auf dem für mich reservierten Parkplatz natürlich.” 
“Krrr. DingDongDung. Ich wiederhole, der Pilot der Flug...krrr..quitsch...nu lassen sie das.... nein sie dürfen hier keine Ansagen machen... hören sie...quitsch.. “ 
Nach einer kurzen Unterbrechung geht die Ansage weiter. Nur diesmal scheint der Ansager gewechselt zu haben. 
“Der Volltrottel welcherrrr auf dem Parkplatz des Föhrers steht, soll gefälligst sein Floggerät da wegschaffn. Das ist mein Parkplatz. Steht ganz groß Föhrer dran. Sollte dies bis 5 Ohr 45  nicht erledigt sein, wird abgeschleppt.” Axel tat, trotz mehrmaliger Nachfrage von Peter, so als ginge ihn das alles nichts an.

Werden die drei die 5. Dimension betreten können und bekommt der Führer seinen Parkplatz zurück? All das erfahrt ihr, wenn die Welt solange durchhält, in den nächsten Tagen im 2. Teil.

Kommentare:

  1. "das Jahr des aufgebundenen Bären"
    LOL!

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    1. Klasse! Selten so über einen Text gelacht!

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    2. Danke für die Blumen und für die Werbung. ;-)

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  2. Hin und wieder schmunzel ich schon einmal ganz gerne.
    Hier hatte ich dazu Gelegenheit. Aäähm, ja. Chr chr chr.

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  3. Wische mir immer noch die Lachtränen aus dem Gesicht. Hatte gerade so noch gedacht, "wo bleibt der Fitzek?", tauchte er in seiner Erlauchtheit auch schon auf. Bin seeehr gespannt auf den 2. Teil.

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